Ausschreibung „Schule statt Leerstand“
Mit dem Vorhaben, zwei Berufsschulen in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude im Nürnberger Südwesten zu bündeln, hat die Stadt Nürnberg die 2023 von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft ausgelobte Ausschreibung „Schule statt Leerstand“ für sich entschieden. Diese richtete sich an Kommunen, die leerstehende und ursprünglich nicht für schulische Zwecke geplante Gebäudetypen für eine zukunftsweisende Pädagogik aktivieren wollen.
Die Jury bestehend aus Prof. Elisabeth Endres (Ingenieurbüro Hausladen GmbH), Prof. Gernot Schulz (gernot schulz : architektur GmbH), Adrian Krawczyk (Behörde für für Schule und Berufsbildung), Dr. Karl-Heinz Imhäuser (Vorstand Carl Richard Montag Förderstiftung), Dr. Meike Kricke, Barbara Pampe (Vorständinnen Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft) und Tobias Haag (Stiftung Baukultur Thüringen)hat sich im Juni 2024 einstimmig für die Bewerbung der Stadt Nürnberg ausgesprochen. Im Jurybericht heißt es dazu: „Die Idee, eine innerstädtische Büroimmobilie für schulische Zwecke umzunutzen – zumal als städtebauliche Landmarke – überzeugt in ihrer gesellschaftlichen und baupolitischen Relevanz. Zudem ist die Typologie des Gebäudes mit sternförmigem Grundriss, großen Gebäudetiefen und – aufgrund der zur Entstehungszeit üblichen Vollklimatisierung – hohen Geschosshöhen prototypisch für vergleichbare Leerstände auch in anderen Städten.“ Auch die Nutzung als Berufsschulen wurde positiv gewertet, da sie „[…] unter dem Förderaspekt der Qualitätssteigerung des gesamten Bildungskreislaufs einen hohen gesellschaftlichen Wert […]“ darstellt.
Phase Null
Zwei Schulen mit sieben Fachbereichen (Textil und Gestaltung, Körperpflege und Friseure, Berufsvorbereitung und Berufsintegration, Floristik, Logistik und Spedition, Tourismus und Verkehrsservice, Rechtsberufe) und insgesamt 2.400 Schüler*innen sollen auf den 25.000 m2 Bruttogeschossfläche ihre neue Heimat finden. Ziel der seit Oktober 2024 laufenden Phase Null, die durch das Büro luchterhandt & partner (Hamburg) durchgeführt und durch Charlotte Reich (Reich & Partner) pädagogisch begleitet wird, ist es, gemeinsam die Frage zu beantworten, was die Schulen in Zukunft brauchen. Für das Workshopteam aus Schulleitung, Schüler*innen, Lehrkräften, Hochbauamt, Schulamt und weiteren Abteilungen der Stadt Nürnberg steht die Weiterentwicklung des pädagogischen Konzeptes bezogen auf zukünftige Anforderungen und im Dialog mit dem Bestand dabei im Vordergrund.
Auf die Vielfalt der Bedarfe aus den sieben Fachbereichen muss in der Architektur eine Antwort gefunden werden. Eine Mischung aus nutzungsgebundenen Räumen, wie zum Beispiel Kosmetikstudios oder Logistik-Simulationslaboren und multifunktionalen Räumen für den allgemeinen Unterricht und das selbstbestimmte Lernen, genauso wie gemeinschaftliche Bereiche für Begegnung und Austausch sind dabei erforderlich.
Das Bestandsgebäude ist ein prototypischer Bürobau aus den 1990er Jahren: Ein Stahlbetonskelettbau mit einer Sonnenschutzverglasung als Fassade, die über natursteinverkleidete Stützen gegliedert wird. In den weiteren Planungsschritten muss geprüft werden, wie die Fassade zeitgemäß erneuert werden kann, ohne dass das Gebäude seine Zeichenhaftigkeit in der Stadt verliert. Um die Schulen vor Ort zu verankern und mittels öffentlicher Angebote präsent zu machen, wird eine Öffnung in und eine Verbindung mit dem Stadtteil angestrebt.
Seit Anfang Dezember 2024 hat die Stadt Nürnberg das Gebäude übernommen. Durch anhaltenden Vandalismus mussten alle Verkleidungen und Einbauten im Inneren entfernt werden. Im Moment prägt das reine Tragwerk den Raumeindruck. Diese Rohheit gilt es zu bespielen und mit wenigen konzentrierten Eingriffen den zukünftigen Anforderungen der Berufsschulen entsprechend zu gestalten.
Die Kooperationsvereinbarung wurde am 31.03.2025 von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und der Stadt Nürnberg unterschrieben. Gemeinsames Ziel ist es, im Bereich der beruflichen Bildung einen innovativen Schulbau zu planen und umzusetzen.
Im Sinne des Open Source Gedankens werden bei diesem vierten Pilotprojekt der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft in Kooperation mit der Stadt Nürnberg die Planungsschritte sowie die Planung der Leistungsphasen 1-5 auf der Plattform www.schulbauopensource.de öffentlich zur Verfügung gestellt. So lassen sich die Ideen und Lösungen sowie die notwendigen Abweichungen von Normen und Standards nachvollziehen und auf andere Projekte übertragen.
Hier geht es zur Plattform Schulbau Open Source