19. September 2023; Von: Barbara Pampe

Schulbaupreis NRW 2023 = Architektur + Pädagogik

Erstmals Schulgebäude nach einem überarbeiteten zweistufigen Verfahren ausgezeichnet – die Verbindung von Architektur und Pädagogik ist die Grundlage für einen zukunftsfähigen Schulbau.

Eine Herausforderung des deutschen Schulbaus sind die unterschiedlichen Zuständigkeiten für Themen, die beim Schulbau zusammenkommen. Für die sogenannten „äußeren“ Angelegenheit sind die Kommunen verantwortlich, für die „inneren“ Schulangelegenheiten das Land. Beim Schulbau sollte eigentlich beides zusammenkommen, denn schließlich geht es um die nachhaltige oder zukunftsfähige Planung von Räumen für Bildung.  Leider ist das oft nicht der Fall. Entweder haben die Länder noch die Funktion der quantitativen Vorgaben, um Fördermittel zu erteilen, oder sie sind über die Schulaufsichten[1] in der Freigabe bzw. der Genehmigung der Raumprogramme einbezogen. Engagierte Kommunen treffen auf veraltete pädagogische Konzepte an Schulen oder engagierte veränderungswillige Schulen treffen auf veraltete Raumprogramme von Kommunen.

Qualitätvoller und zukunftsweisender Schulbau kann aber nur gelingen, wenn der Schulträger auch Verantwortung für die Inhalte und Qualität von Schule übernimmt und die Bildungsministerien sich auch für die gebauten Lernumgebungen interessieren.

An vielen Orten entstehen mittlerweile zukunftsweisende Bildungshäuser, die viel mehr als Frontalunterricht ermöglichen, die auch ein räumliches Angebot für das Quartier darstellen und die durch ihre Architektur eine hohe Wertschätzung der Menschen im Gebäude vermitteln. Einige Kommunen haben ihre Raumprogramme angepasst und/oder sogar flexibilisiert und unterstützen Phase-Null-Prozesse im Schulbau, um mit allen am Schulbau Beteiligten eine nachhaltige, zukunftsfähige und effiziente Grundlage für die Planung zu erarbeiten.

NRW ist auch auf Landesebene notwendige Schritte zum Wandel im Schulbau gegangen. 2020 hat das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung eine Neufassung der Schulbaurichtlinie (SchulBauR[2]) erarbeitet. Die Schulbaurichtlinie, die vor allem brandschutztechnische Anforderungen an Schulgebäude enthält, wurde dahingehend weiterentwickelt, dass auch räumliche Modelle wie Lerncluster und offene Lernlandschaften berücksichtigt werden. Auch Rheinland-Pfalz hat sich auf den Weg gemacht, Landesvorgaben auf das „neue“ Bild von Schule anzupassen: Das Bildungsministerium hat die Schulbaurichtlinien, die in Rheinland-Pfalz regelt, unter welchen Voraussetzungen das Land sich an Baumaßnahmen beteiligt, überarbeitet und damit die finanzielle Förderung neu geregelt[3].

Wie kein anderes Bundesland geht NRW noch ein Stück weiter. Das Ministerium für Schule und Bildung NRW lobt gemeinsam mit der Architektenkammer NRW seit 2008 den Schulbaupreis aus.[4] Während in den letzten Jahren eher die Architektur von Schulbauten ausgezeichnet wurde, hat man das Verfahren für 2023 nochmals überarbeitet. In einem zweistufigen Prozess hat eine interdisziplinär besetzte Jury aus 63 eingereichten Arbeiten in der ersten Phase Schulen ausgewählt, die anschließend von einem Team aus Pädagog*in und Architekt*in besucht wurden, um sich ein Bild zu machen, wie zukunftsweisend die gelebte Pädagogik im Wechselspiel mit der Architektur funktioniert. „Ausschlaggebend für die Entscheidungen der Jury war insbesondere die Frage, ob die jeweilige Gestaltung einen pädagogischen Mehrwert ermöglicht und inwieweit Chancen der Verzahnung von Stadtplanung, Architektur, Innenarchitektur sowie Landschaftsarchitektur mit der Pädagogik ergriffen wurden“, erklärt Dipl.-Ing. Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit Dorothee Feller, der Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, betont Uhing im Vorwort zur Dokumentation des Preises die hohe Qualität der eingereichten Projekte.

Die ausgezeichneten Schulen zeigen, wie konkrete Lösungen aussehen können, die Architektur und Pädagogik verbinden. Sie stehen beispielhaft auch für neue Ziele und neue Verfahren im Schulbau. Damit sind sie, wie die Auszeichnung heißt, „vorbildliche Schulbauten“, die weit über NRW hinaus Kommunen und Länder beim Bauen für Bildung inspirieren können.

Und es bleibt zu hoffen, dass sich auch andere Kultusministerien von NRW inspirieren lassen.

Zu den Preisträgern 2023 auf der Seite der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

[1] Siehe auch: Der strukturelle Rahmen für die Schulaufsicht in Deutschland, aufgerufen am 18.08.2023

[2] Siehe auch: SMBl Inhalt : Richtlinie über bauaufsichtliche Anforderungen an Schulen (Schulbaurichtlinie – SchulBauR) Runderlass des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung – 615 – 170 – | RECHT.NRW.DE, aufgerufen am 29.08.2023

[3] Siehe auch: Gute Rahmenbedingungen für das Lernen von Morgen: Land gestaltet Schulbau flexibler und erweitert seine Förderung . Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz (rlp.de), aufgerufen am 29.08.2023

[4] Siehe auch: Schulbaupreis (aknw.de), aufgerufen am 29.08.2023

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