Im Nordwesten von Frankfurt, etwa rund acht Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt, liegt der noch recht neue Stadtbezirk Frankfurt-Riedberg. Wer einmal mit dem Rad hierhergekommen ist, der weiß genau: der Riedberg ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Berg. Oben angekommen entfaltet sich das einzigartige Panorama der Frankfurter Skyline. Auf dem Riedberg sind in vergangenen Jahren mehrere tausend Wohneinheiten entstanden. Besonders bei Familien ist der neue Stadtbezirk am Stadtrand beliebt aufgrund seiner ruhigen, naturbelassen Lage und guten Anbindung unter anderem mit dem ÖPNV. Immer mehr Menschen ziehen dorthin - der Stadtbezirk wie auch die gesamte Stadt Frankfurt - wachsen kontinuierlich. Bis zum Jahr 2040 wird die Zahl der Bewohner/innen Frankfurts auf 830.000 steigen. Kommunale Aufgabe der Stadt Frankfurt ist es, alle Kinder und Jugendliche der Stadt mit der entsprechenden Anzahl an Schulplätzen und Ganztagsangeboten zu versorgen. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Jahr 2026 verschärft den Versorgungsauftrag zusätzlich.
Raum schaffen durch integrierte Raumnutzung
Das Projekt Gesamtkonzept Ganztag der Stadt Frankfurt [Laufzeit 2019-2023] hat das Ziel die strukturellen Voraussetzungen und Grundlagen zur Einlösung des Rechtsanspruches zu schaffen. Dafür setzte das Stadtschulamt Frankfurt 2019 einen breiten Beteiligungsprozess zur Entwicklung eines Konzeptentwurfes für ganztägig arbeitende Grundschulen um. Es wurden 47 Maßnahmen für die Weiterentwicklung des Frankfurter Ganztages identifiziert und für einen Konzeptentwurf aufgearbeitet und konkretisiert. Die Maßnahmen sind leitenden Themenfeldern der Ganztagsentwicklung zugeordnet wie zum Beispiel Zeit- und Angebotsstruktur, Kooperationen, Bauliche Infrastruktur und Räume. Eine zentrale Maßnahme zur Schaffung von Raum für ganztägige Bildung im Bestandsbau im Grundschulbereich ist das „Erstellen und Erproben eines integrierten Raumkonzepts“. Ziel der Maßnahme ist es, die räumliche Trennung zwischen Unterricht und Betreuung aufzuheben. Über den Tag verteilt entsteht somit eine ganztägige, integrierte Nutzung der Räume. Das gewährleistet, dass Kinder und alle Mitarbeiter:innen das gesamte Gebäude bespielen können. Fachliche Grundlage zur Entwicklung dieser Maßnahme bildet der Planungsrahmen Grundschulen Frankfurt am Main 2018, der grundsätzliche Entwicklungsziele und Leitlinien für Grundschulen im Stadtgebiet definiert. Mit der Pilotierung des Gesamtkonzeptes Ganztag in den Jahren 2021-2023 wurden die vom Fachfeld entwickelten Maßnahmen auf ihre Praxistauglichkeit und Robustheit hin überprüft und angepasst. Eine externe Prozessbegleitung mit fachlicher Expertise aus Pädagogik, Organisation und Architektur unterstützte die Standorte bei der Konzeptionierung und Erprobung der von ihnen ausgewählten Maßnahmen. [Link zum Blog-Beitrag „Ganztag gemeinsam gestalten“, 2021 Montagsstiftung]
Als Grundschule eine passende Lösung finden - aber wie?
Die dritte Grundschule am Riedberg wurde im Jahr 2019 in einer Container-Anlage gegründet. Schon bald kam das Gebäude aufgrund steigender Schüler:innen-Zahlen an seine Kapazitätsgrenze. Ein Umzug in das Schulgebäude der ehemaligen IGS Kalbach-Riedberg, eine „klassische Flurschule“, wurde für das Schuljahr 2022/23 anvisiert. Mit diesem Umzug begann für die dritte Grundschule am Riedberg ein Entwicklungsprozess, den Schulleiterin Amrei Quandel wie folgt zusammenfasst: „Aus der dritten Grundschule am Riedberg wurde die Judith-Kerr-Schule mit integriertem Raumkonzept“. Was nach schneller Umsetzung klingt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines etwa zweijährigen Entwicklungsprozesses der Pilotierung des Gesamtkonzeptes Ganztag. Als eine von insgesamt neun Grundschul-Standorten hat die Judith-Kerr-Schule an dem durch die Stadt Frankfurt umgesetzten Projekt teilgenommen und die Maßnahme „Erstellen und Erproben eines integrierten Raumkonzepts“ zur Erprobung gewählt.
Die Frage wie ein Raum ausgestattet sein muss, damit er für alle, vorrangig für die Kinder, ganztägig bespielbar ist, musste nun beantwortet werden. Dabei galt es vor allem, das gemeinsame pädagogische Konzept von Schule und Träger so in die Raumgestaltung einzubinden, dass die definierten Funktionen im Alltag leicht nutzbar sein würden.
Baukastensystem RAUMBOX© unterstützt die Lösungsfindung
Um den Prozess der Verständnisbildung und Lösungsfindung für integrierte Raumnutzung zu befördern, entwickelte das Stadtschulamt das Baukastensystem RAUMBOX©. Die RAUMBOX© bietet die Möglichkeit, den Planungsrahmen für Grundschulen im Bestand mit den Flächenanforderungen visuell darzustellen und integrierte Raumkonzepte im eigenen Standort abzubilden. Sie besteht aus Magnetplättchen, die alle Flächen des Planungsrahmens für Grundschulen abbilden. Durch dieses Tool können der Planungsrahmen und der Clustergedanke, die Zusammenfassung mehrerer Unterrichts- und Funktionsräume zu einer räumlichen Einheit, verständlich nähergebracht werden. Dadurch unterstützt die RAUMBOX© die Entwicklung eines gemeinsamen pädagogischen Raumkonzepts am Schulstandort.
Ausprobieren und loslegen!
Für die Judith-Kerr-Schule war die fachliche Beratung des Stadtschulamtes mit Hilfe der RAUMBOX© ein positiver Wendepunkt in der Entwicklung hin zu einem integrierten Raumnutzungskonzept. Deutlich wurde im Prozess, wie wichtig es ist bei diesem Thema es erlebbar zu machen. Nach dem Prinzip „Hands-On“ stehen beim Einsatz der RAUMBOX© Wahrnehmungserfahrungen und das eigene Handeln im Zentrum und unterstützen den Lernprozess.
Erleben kommt vor verstehen sagte kürzlich ein Neugierde-Forscher in einem Podcast über Zukunftskompetenzen. Letztlich müssen wir ins Tun kommen, um zu sehen, was funktioniert und was nicht. In diesem Sinne kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie die RAUMBOX© einmal live ausprobieren möchten!
Kontakt:
Stadtschulamt - 40.S3 Stabsstelle Pädagogische Grundsatzplanung
Marion Thierbach
E-mail: Frankfurt-bildet-Regionen.amt40@stadt-frankfurt.de
www.frankfurt.de
www.frankfurt-macht-schule.de