Schule im Quartier

am 02. Oktober 2019 | von

Neue Handlungsempfehlungen „Schule im Quartier – Impulse für die kommunale Praxis“ vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen herausgegeben.

Der Investitionsbedarf in den Schulbau ist so hoch wie noch nie. Im Bereich Schulen und Erwachsenenbildung lag der Investitionsbedarf mit 47,7 Mrd. Euro 2018 sogar über dem im Bereich Straßen und Verkehrsinfrastruktur mit 38,6 Mrd. EUR.

Neben Sanierungen und Erweiterungen von Schulen bilden auch die Anforderungen Ganztag, Inklusion, Digitalisierung etc. für die Kommunen neue Herausforderungen in der Planung von Um- und Neubauten. Gleichzeitig investieren Bund und Länder im Rahmen der Städtebauförderung in die Entwicklung von Stadtquartieren. Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Quartiersentwicklung. Daher sollten Schulentwicklung und Quartiersentwicklung zusammengedacht werden. In der Umsetzung ist das oft mit vielfältigen Schwierigkeiten verbunden: Das Zusammendenken erfordert eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit der Ämter, die oft nicht strukturell vorgesehen ist. Auch ist der Zeitdruck oft zu hoch oder es fehlen Erfahrungen mit solchen disziplinübergreifenden partizipativen Planungsprozessen.

Daher ist er sehr erfreulich, dass nun ein Leitfaden erschienen ist, der ganz konkrete Handlungsempfehlungen für die Entwicklung von integrierten und leistungsfähigen Schulstandorten bietet. Herausgegeben vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, richtet sich „Schule im Quartier – Impulse für die kommunale Praxis“ vorrangig an Kommunalverwaltungen in Städten und Gemeinden. Adressaten sind die Mitarbeiter der Fachbereiche, die maßgeblich mit Bildungsplanung, Schulentwicklung, Schulbau, Stadtplanung und Quartiersmanagement betraut sind.

Entwickelt wurde der Leitfaden von einem mit Frauke Burgdorff, Britta Grotkamp, Dirk Haas, Päivi Kataikko-Grigoleit und Angela Million interdisziplinär besetzten Autorenteam aus Stadtplaner/innen, Geografen, einer Architektin und einer Pädagogin auf Basis mehrerer Workshops mit Personen aus Praxis, kommunaler Verwaltung und Ministerium sowie umfangreichen eigenen Erfahrungen aus Forschung und Praxis.

Einführend werden verschiedene Modelle für die Verbindung von Schule und Quartier dargestellt: vom gängigsten Modell, der Nutzung von Räumen der Schule für Quartiersaktivitäten und Einbezug von außerschulischen Akteurinnen und Akteuren in den Schulalltag bis zur Einbeziehung von außerschulischen Einrichtungen in das pädagogische Programm der Schule und der Vernetzung aller Bildungsorte (Bildungslandschaften) im Quartier.

Der Leitfaden bietet anhand von typischen Planungsanlässen und Aufgabenstellungen konkrete Handlungsempfehlungen. Die jeweiligen Handlungsanlässe sind mit Beispielprojekten aus der Praxis versehen, um die Empfehlungen zu veranschaulichen und um Kontakte zu den jeweiligen Kommunen herstellen zu können.

Ergänzt wird dieser Teil um zusammenfassende Hinweise zu Prozessen, vor allem zur Phase Null, und zu Grundprinzipien zeitgemäßer Schulbauten, die man ausführlich in den Leitlinien findet. Den Abschluss der Broschüre bilden vier vorbildliche Projekte, die auch ausführlicher in der Veröffentlichung des DFG-Forschungsprojektes „Gebaute Bildungslandschaften“ der TU Berlin (Angela Million) und der Uni Siegen (Thomas Coelen) dargestellt sind.

Die Forderung nach der sozialräumlichen Öffnung von Schulen ist zwar mittlerweile Bestandteil in einigen Planungsrahmen oder Leitlinien zum Schulbau, allerdings fehlt es noch an guten realisierten Beispielen und an entsprechenden Veröffentlichungen. Daher stellt die Broschüre einen guten Beitrag in der jetzigen dringend nötigen „Schulbauwelle“ dar. Die hohe Bedeutung des Themas und die Qualität der Inhalte hätten allerdings eine etwas frischere und hochwertige Gestaltung verdient gehabt. Es ist schade, wenn dafür am Ende an Mitteln gespart bzw. die Gestaltung von den Herausgebern als zweitrangig betrachtet wird. Tatsächlich bietet die Broschüre auf über 80 Seiten viele Anregungen und Empfehlungen für alle, die Schule und Stadt zusammendenken wollen.

 

Schule im Quartier – Impulse für die kommunale Praxis

Herausgeber: Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen

Autoren: REFLEX architects_urbanists, Päivi Kataikko-Grigoleit & Dirk E. Haas in Zusammenarbeit mit Dipl.-Päd. Britta Grotkamp, mit BURGDORFF STADT – Agentur für kooperative Stadtentwicklung, Frauke Burgdorff und Büro STADTIDEE, Prof. Dr.-Ing. Angela Million

 

Download und Bestellung unter https://broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/schule-im-quartier

 

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