Foto: Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft Foto: Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Marode Schulgebäude, marode Schulbaupolitik

am 19. Februar 2016 | von

Erneut ist das Dilemma maroder Schulen nach einem Bericht des WDR im Blickpunkt. Doch die Ursachen werden nicht in vollem Umfang sichtbar gemacht: Dem riesigen Handlungsbedarf im Schulbau steht eine politisch vereinbarte und bis heute geduldete Handlungsunfähigkeit im Weg.

Das Drama des Sanierungsstaus ist seit Jahren bekannt, und trotzdem bleibt es ein Skandal, der weit über die skandalöse Situation an vielen Schulen hinausgeht. Es geht nicht (nur) um dringend erforderliche Sanierungen, die in so vielen Fällen liegenbleiben und über Jahre das Lernen und Lehren an diesen Schulen erschweren. Es geht darum, wie insgesamt mit Schulbau und Schulbildung politisch verfahren wird. Auch im aktuellen WDR-Beitrag schieben sich Kommunen, Land und Bund gegenseitig die Verantwortung zu – ohne das Problem beim Namen zu nennen. Denn es fehlt nach wie vor die Bereitschaft eines parteiübergreifenden Lösungswillens, der angesichts der aktuellen Herausforderungen überfällig ist.

Nach wie vor ist die komplexe Finanzierungssituation im Schulbau mit ein Grund dafür, dass dringend nötige Investitionen verschleppt werden. Dafür sorgt unter anderem das umstrittene, aber immer noch gültige Kooperationsverbot, das es Bund und Ländern verbietet, in der Bildung zusammenzuarbeiten. Vorstöße, das Verbot zu kippen, gibt es immer wieder, aber eine Lösung ist trotzdem nicht in Sicht: zu unterschiedlich sind die Interessen – von Parteien, Bund und Ländern – und zu etabliert ist der Kampf um diese Interessen jenseits von Lösungen.

Dieser Zusammenhang gehört dazu, wenn man, wie in Folge der Schulumfrage des WDR und anderer Berichte über marode Schulen, nach einem breiten Bundesinvestitionsprogramm ruft. Dies zu fordern ist einfach – die Voraussetzungen für eine politische Umsetzung sind es nicht.

Zuletzt hat insbesondere der Zustrom von Flüchtlingen einen weiteren dringenden Handlungsbedarf geschaffen, der so akut ist, dass er schon wieder als Grund angeführt wird, jetzt lieber punktuell und direkt zu handeln und nicht die Herausforderung einer grundsätzlichen Lösung anzustreben.

Dabei ist genau eine solche grundsätzliche Lösung dringend notwendig. Denn marode Schulen und die vielen zusätzlich zu verteilenden Flüchtlingskinder und -jugendlichen sind immer noch nur ein Teil der Anforderungen, die es zu lösen gilt. Gleichzeitig müssen auch die veränderten räumlichen Anforderungen an Schule mehr in den Fokus rücken. Denn es reicht nicht, anzustreichen, zu sanieren und das Bestehende wieder in Stand zu setzen.

Pädagog/innen und Zukunftsforscher/innen sprechen über den Wandel in unserer Gesellschaft und die geänderten Herausforderungen an Schule wie Ganztag, Inklusion, Digitalisierung und vieles mehr. Dass wir auf diese Veränderungen auch mit neuen Raumkonzepten reagieren müssen, scheint noch nicht in das Bewusstsein aller vorgedrungen zu sein. Vielleicht auch, weil der notwendige Dialog zwischen Pädagog/innen, Verwaltungen und Architekt/innen noch kein Standard geworden ist und noch immer nach Raumlisten und eigenen Schulerfahrungen geplant und gebaut wird, die vor mehreren Jahrzenten entwickelt und geprägt worden sind.

Wenn wir zukunftsfähige Schulen bauen wollen, müssen wir uns mit denen unterhalten, die wissen, was in den Räumen für Aktivitäten stattfinden. Der Dialog zwischen den Disziplinen ist unabdingbar. Und es müssen sich alle an Schulbau Beteiligten öffnen für Neues und sich auf den Weg machen, nicht am Alten, Bewährten festzuhalten, sondern im Dialog Schule auch architektonisch anders zu denken.

Die momentane Notwendigkeit von Schulneubauten in den wachsenden Städten bietet auch die Möglichkeit, andere Schulen zu bauen, die wirklich einen Lebensort für Schüler/innen darstellen und die räumlich eine Umgebung anbieten, in der Schüler/innen auf ein Leben in dieser Gesellschaft vorbereitet werden können.

Es ist zu hoffen, dass die Größe der Herausforderungen am Ende dazu führt, eine Lösung zu finden, die in ihrer Größe angemessen ist.

WDR, 17.02.2016: Lernen in Ruinen: NRW-Schulen in einem erbärmlichen Zustand

WDR, Aktuelle Stunde, 17.02.2016: Marode Schulen

Schulbau in Deutschland: Investition UND Innovation

Die Kommentare sind nicht mehr möglich

« »