01. September 2026; Von: Caroline Eckmann

Internationales Networking

Mit der Teilnahme an der European Conference on Educational Research (ECER) in Finnland und Beiträgen in verschiedenen Veröffentlichungen haben unsere Vorständinnen* den Sommer für das internationale Networking genutzt. Das Ziel: Innovationen im Schulbau gemeinsam zu reflektieren sowie Wissen, Ideen und Good Practice zu teilen.

Education Meets Architecture: A Transdisciplinary Approach

Beitrag von Meike Kricke und Barbara Pampe auf der European Conference on Educational Research (ECER) in Tampere, Finnland.

Die European Conference on Educational Research 2026 fand vom 18. bis 21. August an der Universität Tampere in Finnland statt. Unter dem Titel Knowing and Acting: The changing conditions and potentials of education research drehte sich dort alles um die Rolle von Bildungsforschung in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Dabei sucht die ECER 2026 gezielt den Dialog zwischen Forschung, Praxis und Politik und bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen, um gemeinsam tragfähige Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu entwickeln.

Meike Kricke und Barbara Pampe hatten sich mit einem Beitrag für den Special Call zum Thema „Educational Space Responding to Social Transformation“ im Network „Open Learning: Media, Environments and Cultures“ beworben. Ihre Ausgangsfrage: Wie müssen Schulgebäude heute aussehen, damit sie zeitgemäßes Lernen, Inklusion und Ganztagsbildung unterstützen?

Am Beispiel der fünf Pilotprojekte Ganztag und Raum zeigten sie, wie veränderte Anforderungen in der Pädagogik, in der heutigen Lebens- und Arbeitswelt sowie eines nachhaltigen Bauens die Inhalte, Organisation und Räume von Schule verändern und wie insbesondere Gebäude im Bestand so umgebaut werden können, dass sie diesen Anforderungen mit einem integrierten Ganztag gerecht werden. Denn bestehende Schulgebäude sind nicht „bauliche Hüllen“, sondern gestaltbare Infrastrukturen für Bildung, Teilhabe und Zusammenarbeit. Ihre Weiterentwicklung gelingt vor allem dort, wo räumliche Lösungen aus einem gemeinsamen und veränderten Verständnis von Lernen heraus entstehen.

Die Basis für den Vortrag auf der ECER in Tampere bildete ein Veröffentlichung, mit der Barbara Pampe und Meike Kricke zu einer Buchpublikation der European Educational Research Association (EERA) beitragen:

Education Meets Architecture: An Interdisciplinary Approach

Kapitel in der Veröffentlichung „Design for Learning – An Interdisciplinary Approach to Transformative Educational Environments“, hg. von Marian Mahat und Richard Leonard, Emerald Publishing Limited.

Die Herausgeber, Marian Mahat und Richard Leonard von der Universität Melbourne, Australien, interessieren sich insbesondere für den Transfer eines neuen, zeitgemäßen Verständnisses von leistungsfähigen Lernräumen in die Praxis und das Denken aller an Schulbau Beteiligten. Sie verfolgen einen interdisziplinären Ansatz, der Forschung, Politik und die beteiligten Branchen zusammenbringt. Ihr Ziel sind integrierte Lösungen für zeitgemäße Lernumgebungen, die nicht nur funktional sind, sondern „transformative, inspiring, and inclusive“.

In ihrem Artikel blicken Meike Kricke und Barbara Pampe auf den aktuellen Stand des Schulbaus, neue Anforderungen an das Lernen und an die Räume, sowie Voraussetzungen und Beispiele für zukunftsfähige Lösungen. Entlang von Projekten der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft beschreiben sie, wie im Zusammenspiel von Pädagogik und Architektur leistungsfähige Schulgebäude für ein Lernen im 21. Jahrhundert entstehen können. Den interdisziplinären Ansatz fordern sie so auch in der Forschung sowie in der Ausbildung (wie es in anderen Ländern üblich ist) sowohl von Pädagog*innen als auch von Architekt*innen zu etablieren.

Die Publikation erscheint im Oktober 2026.

Eine weitere Veröffentlichung von Barbara Pampe stammt aus unserem europäischen Netzwerk: ein Artikel im slowenischen Magazin Outsider, mit einem Schwerpunkt auf Architektur, Landschaft und Kultur:

Phase 0: A Cultural Shift in School Architecture

Outsider #47, September 2026, Ljubljana, print und online, in slowenischer Sprache

Das Magazin Outsider wird herausgegeben von einem Team von Architekt*innen und erscheint als Printausgabe vier Mal pro Jahr. Das aktuelle Heft beschäftigt sich mit dem Thema „Architecture of Schools and Vice Versa: Schools of Architecture“. Die Ausgabe untersucht den Einfluss von Bildungseinrichtungen und -gebäuden auf die Art und Weise, wie Schülerinnen und Schüler lernen, miteinander interagieren und denken. Sie beleuchtet den Dialog zwischen Pädagogik und Raum und deren Wirkung auf Haltungen, Werte und professionellen Herangehensweisen – die später (auch) im Habitus einer Architekturschule verankert sind.

Der Beitrag von Barbara Pampe beleuchtet die Entstehung und die Kultur der Phase Null in Deutschland, ihre Chancen und Herausforderungen. Die Phase Null wird hier beschrieben als Antwort auf eine Lücke zwischen aktuellen Anforderungen, Inhalten und Strukturen von Schule – und ihren Planungsprozessen, die bis heute von Standardisierung und überholten Musterraumprogramm geprägt sind. Andere Länder können dabei sowohl von den Stärken als auch von den Grenzen der deutschen Erfahrungen mit der Phase Null lernen: Wirksame Beteiligung braucht einen klaren Bezug zu tatsächlichen Entscheidungen und muss fest in die Projektentwicklung eingebunden sein. Ebenso können Schulgebäude nicht losgelöst von ihrem sozialen und städtischen Umfeld gedacht werden. Fragen der Quartiersentwicklung, Bildungsgerechtigkeit, Inklusion und des gemeinschaftlichen Lebens sind eng mit architektonischen Fragen verbunden.

Die eigentliche Bedeutung der Phase Null liegt danach nicht nur in der Methode selbst, sondern dem kulturellen Wandel, für den sie steht: Sie lädt dazu ein, Bildungsräume neu zu denken. Denn Schulgebäude sind keine neutralen Behälter für Lernen. Sie machen sichtbar, was eine Gesellschaft von Bildung erwartet und welchen Wert sie Kindern und Jugendlichen beimisst. Wenn Schulen auf zukünftige Herausforderungen reagieren sollen, brauchen sie Prozesse, in denen unterschiedliche Akteurinnen und Akteure diese Zukunft gemeinsam entwerfen. Die Phase 0 bleibt dafür einer der wirkungsvollsten Ansätze.

Wir informieren auf unserem LinkedIn-Kanal, wenn die Publikationen erschienen sind.


(* Hinweis: Dr. Meike Kricke war im Sommer noch Vorständin der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. Seit dem 1. September 2026 ist sie Vorständin der Carl Richard Montag Förderstiftung. Ihre Position als Vorständin der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft hat Lisa Lemke übernommen.)