Group Ludic, Hérouville Saint-Clair, 1968. Aus der Ausstellung "The Playground Project", Kunsthalle Zürich 2016 Group Ludic, Hérouville Saint-Clair, 1968. "The Playground Project", Kunsthalle Zürich 2016

Spielend die Stadt verändern? – Was-Wie-Wo fragen wir auf einer Fachtagung in Frankfurt

am 30. Mai 2016 | von

Mut zu Kreativität und Innovation sind gefordert! Sind heutige Schulhöfe und Spielplätze die Kodifizierung der sicheren Langweile?

Lernen passiert beim Zuhören in der Schulklasse, in kleiner Diskussionsrunde, beim Lesen, beim Beobachten, beim Experimentieren und natürlich beim Spielen. Durch Bewegungs-, Konzentrations-, Rollenspiele und viele andere, eignen sich Kinder und Jugendliche essentielle grundlegende Fähigkeiten an, die man sonst nirgendwo lernen könnte.[1]

Schulhöfe sollten daher nicht nur einen Ort für eine Pause im Freien bieten, sondern vielmehr einen inspirierenden, abenteuerlichen, inklusiven und interaktiven Raum, der zur Kommunikation und zum Ausdruck von Kreativität anregt. Ein Großteil der Schulhöfe (und Spielplätze) sieht aber sehr belanglos und sogar langweilig aus. „Wo keine Gefahr ist, suchen sich die Kinder etwas aus, um ihren Mut zu testen. Daher sollte man ein bisschen Gefahr immer einbringen, die aber für die Kinder deutlich zu erkennen sein soll“ sagte mir ein Lehrer vor einige Zeit.

2013 berichtete die Unfallkasse Berlin in der Broschüre „Die Bewegungsbaustelle“, dass „Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter immer weniger motorische Kompetenzen haben.“ [2] Kreativität auf Spielplatz und Schulhof ist Mangelware, da die industriell vorgefertigten Spielgeräte die kreative Eigentätigkeit limitieren oder sogar behindern.

Die Kunsthalle Zürich widmete in diesem Jahr dem Thema Spielplätze eine ganze Ausstellung.[3] Gezeigt wurden die experimentellen und kreativen Spielobjekte und -Landschaften, die in den 50er, 60er und 70er Jahren als gebaute Traumwelten realisiert wurden. Verrückte Objekten, experimentelle gewagte Lösungen, die durch verschiedene Materialien, Kombinationen von Formen und vor allem durch eine inspirierende Vielfalt an Nutzungen geprägt waren.

Ist die Kodifizierung von Sicherheitsnormen das Ende vom kreativen Spielen?
Wie wird heute gespielt? Wie könnte man Schulhöfe und Spielplätze individualisieren und ihnen die wichtige Rolle wiedergeben, die sie für die physische und mentale Entwicklung von Kinder und Jugendliche haben?

Verschiedene Perspektiven zum Thema bietet unter anderem die Fachkonferenz und Spielenacht „Spielend die Stadt verändern!“, die vom 10.-11. Juni 2016 in Frankfurt stattfindet: Mit einem Beitrag von Dr. Karl-Heinz Imhäuser und einem interaktiven Spaziergang zum Thema „Spielen in der Stadt“ von Barbara Pampe und Dr. Vittoria Capresi (Veranstalter: Evangelische Akademie Frankfurt).

 

[1] Karl-Heinz Imhäuser, „Learn = Move + Play. Pedagogical Aspects of Playing and the Importance of Playgrounds“. In: Vittoria Capresi, Barbara Pampe (eds.), „Learn-Move-Play-Ground. How to improve playgrounds through participation“, Jovis, Berlin 2013; S. 16-21.

[2] „Die Bewegungsbaustelle. Einsatz der Bewegungsbaustelle in Kita und Schule“. Unfallkasse Berlin 2013; S. 5.

[3] „The Playground Project“. Vom 20.02.-15.05.2016 in der Kunsthalle Zürich. Gabriela Burkhalter (ed.), „The Playground Project“, Ausstellungskatalog, JRP|Ringier, Zürich: 2016.

 

 

Foto: Group Ludic, Hérouville Saint-Clair, 1968. Foto aus der Ausstellung „The Playground Project“, Kunsthalle Zürich 2016.

 

 

Die Kommentare sind nicht mehr möglich

« »