Planungsgruppe Gesamtschule Rosenhöhe, Bielefeld. Foto: Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Pilotprojekte Inklusive Schulen planen und bauen: Gesamtschule Rosenhöhe Bielefeld

am 21. Juli 2017 | von | mit Keine Kommentare

Die Bielefelder Planungsgruppe ließ sich von den holländischen Nachbarn inspirieren

Im Rahmen einer Exkursion innerhalb der Phase Null an der Gesamtschule Rosenhöhe in Bielefeld hatten die erweiterte Planungsgruppe vier niederländische Schulen und ihre pädagogischen und räumlichen Konzepte „unter die Lupe“ genommen. Die Gruppe war nicht nur multiprofessionell besetzt (Lehrkräfte und Vertreter/innen der Stadt Bielefeld), sie wurde auch durch den Blick von Oberstufenschüler/innen bereichert. So konnten die Aspekte der besichtigten Objekte direkt vor Ort von allen Seiten beleuchtet werden. Insgesamt eine sehr inspirierende kurze Reise für einen Perspektivwechsel!

„Bunte Transparenz“ in Hengelo

Das Berufsschulzentrum ROC van Twente bot eine ideale Gelegenheit, um Lern- und Aufenthaltsorte für ältere Schüler/innen zu erleben. Das lange brachliegende Areal mit seiner in Teilen erhaltenen Industriearchitektur ist in den letzten Jahren zu einem regional bedeutsamen Bildungs- und Ausbildungsort geworden, der täglich von mehreren tausend Schüler/innen und Beschäftigten besucht wird. Das ROC in Hengelo ist Teil einer regionalen Einrichtung zur beruflichen Bildung bzw. Ausbildung und nach dem Modell des US-amerikanischen Community College organisiert. Im Gebäude findet Unterricht verschiedener Berufsschulen, Dienstleistungen, Veranstaltungen und Unternehmen Platz; die einzelnen Berufsschulen für die verschiedenen Fachrichtungen arbeiten relativ selbständig. Es gibt Berufsschulen für diverse technische, Wirtschafts- und Gesundheitsberufe. Die Schüler/innen sind in der Regel zwischen 16 und 19 Jahren alt, die Ausbildungszeit beträgt durchschnittlich drei Jahre.
Die vielen verschiedenen Aufenthaltsqualitäten auf den jeweiligen Etagen beeindruckten ebenso wie die sogenannte „bunte Transparenz“, die sich in den bodentiefen, farbigen Glaswänden zu den Gruppenräumen zeigt.

Lerngemeinschaften in IJburg, Amsterdam

Am zweiten Tag besichtigte die Gruppe zunächst das IJburg College 1, das sich im neuen Stadtteil IJburg im Osten von Amsterdam befindet. Die Schule wurde 2006 gegründet und bietet alle drei in den Niederlanden üblichen weiterführenden Schulabschlüsse unter einem Dach: Gymnasialabschluss (VWO), Realschulabschluss- bzw. eine Fachhochschulreife (HAVO) und Berufsschulabschluss (VMBO). Dem pädagogischen Konzept der Lerngemeinschaften folgend ist die Schule in drei räumlich und organisatorisch weitgehend autonome Doppelcluster aufgeteilt. Sie bilden gleichsam eigenständige „Schulen in der Schule“. In einem Doppelcluster werden zweimal fünf Klassen aus jeweils zwei Jahrgängen zusammengefasst. Die Unterrichtsbereiche haben keine Flure: Die großen Erschließungsbereiche vor den Klassenzimmern sind als übergroßer multifunktionaler „Marktplatz“ für eine pädagogische Nutzung ausgebildet. Zwei „Gartenlauben“ stehen darin: In einem der „Häuser im Haus“ befinden sich die sozialpädagogische Station und die Lehrer/innen Station. das zweite stellt Arbeits- und Rückzugsplätze für die Schüler/innen bereit. Die Gruppenräume sind zum Flur hin bodentief über die gesamte Länge verglast; auch in die Unterrichtsräume kann man hineinschauen.

Im Anschluss konnten wir als erste Besuchergruppe den kurz zuvor eröffneten neuen Standort des IJburg College 2 besuchen, in dem das Konzept durch die Erfahrungen aus IJburg 1 etwas abgewandelt wurde. Die Grundidee mit den Teilschulen und den großen offenen Lernbereichen vor den einzelnen Gruppenräumen wurde beibehalten. Einige räumliche Lösungen wurden in dieser Schule als besonders inspirierend empfunden. Hierzu gehören die offenen Lernbereiche vor den Gruppenräumen mit vielen Sichtbeziehungen – auch in den Außenraum – sowie die multifunktionalen Fachräume.

Lernlandschaften in Nijkerk

Den Abschluss der Exkursion bildete das Corlaer College in Nijkerk. Das Ziel der Schule ist es, ihre Schüler/innen dazu zu bringen, das Beste aus sich herauszuholen. Binnendifferenzierung wird hier großgeschrieben. So können sich die Kinder auf allen Niveaus entwickeln, da Lernunterstützung für alle angeboten wird. Vom Hauptschul- bis zum Gymnasialabschluss sind diverse Wege und Übergänge möglich, zu denen auch z. B. Qualifikationen für Managementberufe oder Sportklassen gehören.

Räumlich ist das Gebäude nicht wie die anderen besichtigten Objekte in Cluster oder Teilschulen unterteilt, sondern entspricht weitgehend einer zusammenhängenden Lernlandschaft. Die damit verbundene räumliche Großzügigkeit und eine geringe Zuordnung der Bereiche wurde von vielen Teilnehmer/innen der Exkursion  als nachteilig wahrgenommen.
Für die Lehrer/innen der Naturwissenschaften bot der Einblick in große Fachräume mit innenliegenden Teilsammlungen und interessanten Tischen einen großen Reiz und viel Gesprächsstoff. Experimentieren steht hier deutlich im Vordergrund, was dem Wunsch der Schüler/innen sowie Lehrer/innen an der Rosenhöhe sehr entgegenkommt.

Die gemeinsamen Erfahrungen der Exkursion waren im Folgenden eine extrem wertvolle Grundlage für die weitere Erarbeitung des Raumkonzeptes für die neue Oberstufe. Dabei haben die diversen Inspirationen, die wir im Rahmen der Schulbesuche sammeln konnten, die weitere Planung ein erhebliches Stück zukunftsfähiger gemacht.

Mittlerweile sind die Ergebnisse der Phase Null allen Akteur/innen und Verantwortlichen vorgestellt worden. Der Immobilienservicebetrieb übernimmt nun verantwortlich das Projekt und wird mit den erarbeiteten Planungsgrundlagen einen Architekturwettbewerb ausschreiben.

Fotos: Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

 

Anke Weber ist Architektin im Atelier für Raumbildung in Hamburg (www.raumbildungundberatung.de). Thomas Wetzel ist Pädagoge und Berater für Schul- und Unterrichtsentwicklung aus Lüneburg (www.schulkultur.net). Anke Weber und Thomas Wetzel begleiten als Schulbauberater/innen-Team im Auftrag der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft das „Pilotprojekt Inklusive Schulen planen und bauen“ an der Gesamtschule Rosenhöhe in Bielefeld. Weitere Informationen zum Pilotprojekt: www.schulen-planen-und-bauen.de/pilotprojekte-inklusive-schulen-planen-und-bauen

 

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