Carlo-Mierendorff Schule, Griesheim. Foto: gernot schulz : architektur

Pilotprojekte Inklusive Schulen planen und bauen: Die Carlo-Mierendorff-Schule

am 11. Februar 2017 | von | mit Keine Kommentare

Einblick in die Phase Null in Griesheim – Von Transparenz als inklusivem Wert im Schulbauberatungsprozess.

Der Duden definiert den Begriff Transparenz als Durchsichtigkeit, [Licht]durchlässigkeit aber auch als Durchschaubarkeit und Nachvollziehbarkeit. [1] In der Architektur versteht man darunter in der Regel die Durchsichtigkeit, bzw. Durchlässigkeit eines Objektes oder Materials. Transparenz dient auf allen Bedeutungsebenen als Mittel, um zusammen zu bringen, einzubeziehen und Einblick zu gewähren.

Transparenz – gemeinsame Basis für eine Kommunikation auf Augenhöhe
Am Beispiel des Schulbauberatungsprozesses an der Carlo-Mierendorff-Schule im Landkreis Darmstadt-Dieburg konnten wir feststellen, dass für partizipative Prozesse, die dadurch getragen werden, dass alle Beteiligten sich einbringen, eine wechselseitige größtmögliche Transparenz in der Kommunikation und Information eine wesentliche Gelingensbedingung darstellt. Schon zu Beginn „unserer“ Phase Null wurde deutlich, dass die Bestandsaufnahme nicht nur als einseitige Informationseinholung des Schulbauberatungsteams über die Schule und ihre Akteur/innengruppen funktioniert. Es bedarf eines wechselseitigen Informationsaustauschs, um eine gemeinsame Basis für eine Kommunikation auf Augenhöhe zu schaffen.

Der Schulbauprozess geht mit Veränderung einher. Auch wenn die Akteur/innen den Prozess grundsätzlich begrüßen, bringt die Veränderung etwas Unsicherheit mit sich. Unser Ziel war es, schon bei der Bestandsaufnahme durch die Teilhabe aller am Prozess Beteiligten – von Schüler/innen bis zu den Vertretenden der Bildungseinrichtungen der Stadt – eine größtmögliche Akzeptanz zu erreichen. Dabei nahm, zum Anfang für uns etwas unerwartet, die Aufklärung der Akteur/innen über das Vorhaben annähernd so viel Zeit in Anspruch wie die Bestandsaufnahme selbst. Auf diese Weise konnte die zunächst bestehende Zurückhaltung direkt zu Beginn des Prozesses angesprochen und größtenteils ausgeräumt werden. Die Chance, das Konzept der neuen Carlo-Mierendorff-Schule als repräsentatives Pilotprojekt für den Landkreis mitzugestalten, hat die Akteur/innen motiviert, ihre Kompetenzen einzubringen und der Einladung zum ersten Workshop zu folgen.

Transparenz als Leitmotiv in der Phase Null
Wir stellten fest, dass eine transparente Vorgehensweise die Voraussetzung dafür war und ist, dass uns die am Prozess Beteiligten als externes Schulbauberatungsteam Einblick in ihre Ideen für die Carlo-Mierendorff-Schule von Morgen gewähren. Aus dieser Erfahrung heraus haben wir die Transparenz als Leitmotiv für „unsere“ Phase Null erkannt. Und der „inklusive“ Wert, den die Transparenz mit sich bringt, zeigt sich nicht nur in unserer Arbeit im Tandem. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft trägt diesen Wert weiter, indem sie die Ergebnisse aller Schulbaupilotprojekte veröffentlicht und das Wissen zur Phase Null transparent und zugänglich macht, sodass möglichst viele Interessierte an den Erfahrungen teilhaben können.

Ausblick auf den weiteren Prozess
Zwischenzeitlich hat im Rahmen der Schulbauberatung an der Carlo-Mierendorff-Schule ein Pädagogischer Tag stattgefunden, bei dem Walter Heilmann als ehemaliger Schulleiter einen Einblick in die Arbeitsweise der Rosenmaarschule in Köln gab. Die Steuergruppe hat sich nun für eine öffentliche Informationsveranstaltung als weiteren Baustein im Prozess entschieden. Hier soll nicht nur auf schulischer, sondern auch auf kommunaler Ebene über den Schulbauberatungsprozess informiert werden. Darauf folgen sollen dann zwei weitere Workshops, bei denen wir – angestoßen durch die Informationsveranstaltung – auf eine noch breitere Beteiligung hoffen.
Auch auf Kreisebene (Landkreis Darmstadt-Dieburg) ist die transparente Vorgehensweise gewünscht, da die Phase Null an der Carlo-Mierendorff-Schule als Pilotprojekt für weitere Schulbauprojekte im Kreis verstanden wird.

Wir sind gespannt und freuen uns auf den weiteren Prozess und die unterschiedlichen und vielfältigen Einflüsse und Herausforderungen, die uns noch begegnen werden.

 

Raphaella Burhenne de Cayres ist Architektin und eine von drei Geschäftsführenden der gernot schulz : architektur GmbH in Köln. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Bereich öffentliche Bauten und Bildungsbauten. Andrea Rokuß ist pädagogische Nonprofit-Managerin und seit sieben Jahren in inklusiven Veränderungsprozessen für Kommunen, Bildungseinrichtungen und gemeinnützigen Organisationen beratend, moderierend und begleitend tätig – unter anderem für das Projekt Inklusion vor Ort der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. Raphaella Burhenne de Cayres und Andrea Rokuß begleiten als Schulbauberater/innen-Team im Auftrag der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft das »Pilotprojekt Inklusive Schulen planen und bauen« an der Carlo-Mierendorff-Schule in Griesheim.

 

 

[1] Definition des Begriffs Transparenz im Duden:
www.duden.de/Transparenz

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