Expertenworkshop Raum und InklusionFoto: Lea Schanz, büro schneidermeyer

RAUMUNDINKLUSION: Lernräume für eine inklusive Schule

am 30. Juni 2016 | von | mit Keine Kommentare

Am 25. Juni 2016 fand im Rahmen der Studie RAUMUNDINKLUSION eine Zwischenpräsentation und ein Gespräch mit Expert/innen aus Verwaltung, Architektur und Pädagogik statt.


Die Studie RAUMUNDINKLUSION  ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft gefördertes Forschungsprojekt des Lehrstuhls für internationale Lehr- und Lernforschung (unter Leitung von Prof. Dr. Kersten Reich) an der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit dem bueroschneidermeyer (unter Leitung von Dipl.-Ing. Jochem Schneider) sowie der inhaltlichen Unterstützung der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. Ziel der Studie ist es, „konkrete Anforderungen an Schulbau abzuleiten“ die wichtige praxisbezogenen Hinweise zum inklusiven Schulbau geben sollen.

Der Studie liegt ein internationales, ganzheitliches Verständnis von Inklusion zugrunde: „Diversität ist Vielfalt. Zur Vielfalt gehören Aspekte wie Geschlecht, Alter, ethnische Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung, sozioökonomischer Status, Behinderung, usw. ,Diversity education‘ will die Unterschiedlichkeit von Lebensentwürfen, Voraussetzungen, Möglichkeiten, Begrenzungen, die mit einer Gruppenzugehörigkeit oder individuellen Voraussetzungen und Einstellungen einhergehen, betrachten und respektieren.“[1]
Auf Grundlage dieses Verständnisses von Inklusion reagiert die Studie auf den Bedarf nach qualitativen Kriterien für die räumliche Organisation des gemeinschaftlichen Unterrichts und deren Übersetzung in konkrete Raum- und Flächenkonzepte. Bisher finden sich Anhaltspunkte für notwendige Räume und Flächen in Bezug auf Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf nur in den Schulbauförderprogrammen für Förderschulen der unterschiedlichen Bundesländer. Die dabei festgelegten Flächenansätze sind bis zu sechsmal höher im Vergleich zu den Flächenansätzen von Regelschulen.

Welche Flächen sind in inklusiven Schulen anzusetzen und wie sollen sie organisiert sein?

Vergleichbare Studien ermittelten ausschließlich die erforderlichen Personalressourcen, notwendig sind aber auch konkrete Einschätzungen bezüglich der Raumressourcen und räumlicher Organisationsmodelle. Die in der Studie untersuchten Schulprojekte sollen dabei Best-Practice Beispiele liefern und einen Orientierungsrahmen für die Planung von konkreten Um- und Neubaumaßnahmen geben. Gleichzeitig können sie eine wichtige Grundlage für die Ausgestaltung der künftigen Schulbauleitlinien auf Landes- und kommunaler Ebene bieten. Auch Erfahrungen der Referenzschulen zu Übergangsprozessen vom getrennten zum gemeinsamen Unterricht sollen einbezogen werden.

Status Quo: Zehn Schulen beispielhaft

Der Arbeitsprozess gliedert sich in drei Phasen: Nachdem in den letzten Monaten elf Schulen in Deutschland und sechs internationale Schulen unter Einbeziehung von Experten mit direktem Praxisbezug besucht wurden, sind von den besuchten Schulen zehn Referenzprojekte sowie drei Schulen in Planung aus Köln, München und Stuttgart ausgewählt worden. Die zehn gebauten Projekte sind: Rosenmaarschule, Köln; Grundschule auf dem Süsteresch, Schüttorf; Grundschule Berg Fidel, Münster; Grund- und Mittelschule, Thalmässing; Gebhardschule, Konstanz; Paula-Modersohn-Schule, Bremerhaven; Freiherr-vom-Stein-Schule, Neumünster; Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, Göttingen.  International: Meduxnekeag Consolidated School, Woodstock, Kanada; Oulun Normaalikoulu, Oulu, Finnland.

Bewertung der räumlichen Strukturmodelle aus den Referenzprojekten

Im Anschluss an die Auswertung und Analyse dieser Referenzschulen sind Struktur- und Organisationsmodelle sowie Flächenbedarfe abgeleitet worden. Es wurden außerdem fünf deutsche Musterraumprogramme (Baden-Württemberg, Köln, Hamburg, München, Bremen) in Hinblick auf die räumlichen Anforderungen der Inklusion untersucht: Die Angaben für allgemeinbildende Schulen und Förderschulen wurden verglichen und den Ergebnissen aus der Analyse der Modellschulen gegenübergestellt. Dabei interessiert die Frage, wie sich die Flächenangaben unterscheiden, die mit ganz unterschiedlichen Umsetzungsstrategien an das Thema Inklusion herangehen.

Expertenworkshop

Am 25. Juni wurden die vorläufigen Ergebnisse anhand von drei Schulen beispielhaft einem Kreis ausgewiesener Expert/innen aus Verwaltung, Schule und Architektur präsentiert. In dem anschließenden Fachgespräch diskutierten:

Helga Boldt, Schulleiterin der Neuen Schule Wolfsburg
Raphaella Burhenne de Cayres, Gernot Schulz Architekten, Köln
Heiner Farwick, Farwick und Grote, Dortmund, Präsident des Bundes Deutscher Architekten BDA
Michael Gräbener, Projektleiter Bildungslandschaft Altstadt Nord, Amt für Schulentwicklung, Köln
Doris Gruber, Gruber und Popp Architekten, Berlin
Walther Heilmann, ehemaliger Schulleiter der Rosenmaarschule, Köln
Marion Hensel, Schulleiterin der Helios Grundschule, Köln
Dr. Karl-Heinz Imhäuser, Vorstand der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Bonn
Olaf Köster-Ehling, stellv. Vorstand der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Bonn
Dr. Meike Kricke, Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln
Andreas Niessen, Schulleiter des Geschwister Scholl Gymnasium, Pulheim (Jakob-Muth-Preisträger 2016)
Barbara Pampe, Projektbereichsleitung Pädagogische Architektur der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Bonn
Prof. Dr. Kersten Reich, Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln
Barbara Riekmann, ehemalige Schulleiterin der Max-Brauer-Schule, Hamburg
Lea Schanz, bueroschneidermeyer, Köln/Stuttgart
Antje Scharsich, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bonn
Jochem Schneider, bueroschneidermeyer, Stuttgart/Köln
Udo Stoessel, Senat für Kinder und Bildung, Liegenschaftsverwaltung, Bremen
Andrea Herrmann-Weide, Senatorin für Kinder und Bildung, Bremen
Dr. Annette Wilczek, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Projektträger Chancengleichheit / Genderforschung, Integration

Ausblick: Strukturmodelle und Leitfragen für die Praxis

In einer dritten Phase sollen Strukturmodelle und ein Leitfaden für die Praxis ausgearbeitet werden. Dabei ist es nicht Ziel der Studie RAUMUNDINKLUSION, neue Standards zu definieren, sondern Referenzmodelle für inklusive Schulen und Lernorte aufzuzeigen. Der Schlussbericht wird im Sommer 2017 in einer umfangreichen Fassung erscheinen. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft wird zudem die Studien-Ergebnisse in einer Kurzfassung zugänglich machen.

 

[1] In: Reich/Asselhoven/Kargl: „Eine inklusive Schule für alle“, Beltz 2015; S. 25.

 

Weitere Artikel zur Studie RAUMUNDINKLUSION:

Kanada: Wo das Curriculum der Individualität des Kindes entspricht

Finnland: Wo die Lernumgebung die Sprache der Pädagogik spricht

Gemeinsame Studie „Raum und Inklusion“ mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgestellt

 

 

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