Finnland: Wo die Lernumgebung die Sprache der Pädagogik spricht

am 08. April 2016 | von | mit Keine Kommentare

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts „Raum und Inklusion“ war ein Expertenteam in Finnland unterwegs.

Welche Anforderungen stellt eine inklusive Schule an die pädagogische Architektur und insbesondere an den Flächenbedarf und die Raumorganisation von Schulen? Wie kann die räumliche Lernumgebung den Anforderungen eines inklusiven Schulsystems begegnen? Diesen Fragestellungen gehen Erziehungswissenschaftler/innen und Pädagog/innen der Universität zu Köln (Lehrstuhl für internationale Lehr-Lernforschung) sowie Architekt/innen und Planer/innen (bueroschneidermeyer, Köln/Stuttgart) in dem von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Raum und Inklusion“ gemeinsam nach. Im März machte sich das Projektteam auf – Richtung Norden.

Inklusion stellt viele neue Anforderungen an Schule. Die Vielfalt von Kindern und Jugendlichen und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse spiegeln sich in neuen Lernarrangements, die veränderte Raumkonzepte erfordern. Im Fokus steht dabei die Variabilität: Wir brauchen in Zukunft Lernumgebungen, die in der Lage sind, ganz unterschiedliche Nutzungsanforderungen zu erfüllen und den Begabungen und Bedürfnissen aller Kinder und Jugendlichen Rechnung zu tragen. Unter der Prämisse, dass jedes Kind einen Lern-, Lebens-, Bewegungs-, und Entfaltungsraum vorfinden sollte, der eine individuelle Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht, greift das Forschungsvorhaben „Raum und Inklusion“ vorhandene Konzepte im Schulbau auf und wertet sie im Hinblick auf die notwendigen Raumbedarfe im gemeinsamen Unterricht aus. Dazu untersucht das Projektteam verschiedene Schulen in Deutschland, Skandinavien und Kanada.

Im März 2016 war das Projektteam in der finnischen Stadt Oulu unterwegs. Die dortigen Akteur/innen wurden von dem Projektteam nach ihren Erfahrungen bezüglich einer inklusiven Schulentwicklung und der Nutzung von Raum und Flächen befragt.

Die in Oulu besuchten Schulen zeigten hierbei eine bewusste Auseinandersetzung von Pädagogik und Raum. Die an die Universität angegliederte Teacher-Training-School entwickelte in dem Projekt „Ubiko“ eine Lernlandschaft, die die „Sprache der Pädagogik“ spricht: Ausgangspunkt stellt das Konzept des selbstregulierten Lernens dar, das ein Forschungsteam aus Lehrkräften, Pädagog/innen und Architekt/innen gemeinsam entwickelte.

Die Nutzung der Lernumgebung von Lernenden und Lehrenden sowie die Umsetzung pädagogischer und didaktischer Konzepte werden stetig evaluiert. In der Schule wird seit zwei Jahren das Arbeiten in Teams aufgebaut. In sogenannten „Units“ mit jeweils vier Klassenräumen und einer offenen Mitte entstehen neben „Ubiko“ weitere offene Arrangements, die je nach Team und Lerngruppe unterschiedlich ausgestaltet werden.

Die in den Lernclustern eingesetzten Möbel sind in Kooperation mit Studierenden und Lehrenden des Studienganges „Learning Environments“ der Universität entstanden. Ausgehend von dem Ubiko-Lerncluster wurden die Prototypen für die weiteren Arrangements weiterentwickelt. Wie die „Pädagogik mit räumlichen Konzepten hier mitgedacht wird, zeigt die Beschreibung des Schulleiters, der, wie in der Stadtplanung, von „privaten“, „halbprivaten“, „öffentlichen“ und „halb-öffentlichen“ Flächen spricht, die von den Lernenden in offenen Lernphasen individuell – je nach eigenen Bedürfnissen – genutzt werden. Dialog sei hier Ausgangspunkt des Lernens. Dialog unter den Lernenden, Dialog zwischen den Lernenden, zu den Lehrenden, mit dem eigenen Vorwissen, mit der Sache – und ganz zentral – Dialog mit der Lernumgebung.

Die Ergebnisse der Exkursion werden aktuell ausgewertet und werden in die von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft mit initiierte und gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie „Raum und Inklusion“ mit einfließen.

 

Weitere Informationen zum Ubiko-Projekt: UBIKO EU Inspired Learning (YouTube)

 

Weitere Artikel zur Studie RAUMUNDINKLUSION:

RAUMUNDINKLUSION: Lernräume für eine inklusive Schule

Kanada: Wo das Curriculum der Individualität des Kindes entspricht

Gemeinsame Studie „Raum und Inklusion“ mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgestellt

 

Dr. Meike Kricke, ausgebildete Grundschullehrerin, ist seit 2009 aktiv an der Lehrer/innenbildung beteiligt und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit einer Professionalisierung (angehender) Lehrkräfte für Inklusion – im internationalen Kontext. Aktuell begleitet sie das Projekt „Raum und Inklusion“ als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für internationale Lehr-Lernforschung an der Universität zu Köln.

 

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