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„SpielRäume“: Neue Broschüre zur Raumnutzung in Kindergärten

am 10. Dezember 2015 | von | mit Keine Kommentare

Was muss ein Kindergarten an Räumlichkeiten bieten, um ein inspirierender und angemessener Spielraum zu sein? Ein interdisziplinäres Team der Fachbereiche Architektur, Pädagogik und Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz ist dieser Frage nachgegangen.

Spielen ist die Haupttätigkeit von vier- bis sechsjährigen Kindern. Welche Räume sind dafür am besten geeignet – und was für Anregungen gibt es aus der aktuellen Kindergartenpraxis in der Deutschschweiz? Im Rahmen der Strategischen Initiative „Entwicklung der Quartierkindergärten im Bildungsraum Nordwestschweiz“ haben sich die Institute von drei Hochschulen für ein gemeinsames Forschungsprojekt zusammengetan. Die Ergebnisse wurden jetzt in einer Broschüre veröffentlicht, die Vorschläge und Ideen für die organisatorische und bauliche Anpassung von Kindergärten an zeitgemäße pädagogische, institutionelle und gesellschaftliche Anforderungen bietet.

Das Projekt reagiert auf den wachsenden Informationsbedarf, denn in den kommenden Jahren werden viele Gemeinden bautechnische Sanierungen von bestehenden Kindergärten angehen. Die Broschüre wendet sich an Lehrpersonen und Schulleitungen, aber auch an planende Verwaltungen und Architekt/innen. Das anspruchsvolle Ziel ist es, den Horizont der Nutzungsmöglichkeiten für verschiedene Räume und Aktionen zu erweitern.

Um das zu erforschen, wurden vier verschiedene Quartierkindergärten exemplarisch genauer untersucht, um die allgemeine Situation in der Deutschschweiz zu testen. Die Untersuchungsmatrix ist für alle Fallbeispiele gleich: ein einheitlicher Grundriss, textliche objektive Raum- und Aktivitätsbeschreibungen, ein möbliertes 3D-Modell mit einheitlicher Bezeichnung von Räumen und Nutzungen, Bilder.

Die anhand von vielen Beispielen herausgestellten Beobachtungen werden dann im Hauptteil thematisch besprochen und dargestellt. Den einzelnen Themen wird jeweils ein Kapitel gewidmet: Sequenzen/Zeitlicher Ablauf, Sozialformen, verschiedene Spiel- und Lernarten, Arbeitsplatz für Erwachsene, Förderunterricht, Bedürfnisse und Raum (bezüglich Kontrolle, Übersicht, Flexibilität etc.). Nach einer einführenden Beschreibung der Tätigkeiten folgt die Visualisierung von verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten in den verschiedenen Räumen. Als Grundlage der Darstellung wird ein idealisierter Grundriss genutzt, der als Zusammenfassung der vier untersuchten Kindergärten formuliert wurde.

Die sehr schöne Grafik ist aufgrund des dargestellten Mobiliars und des dreidimensionalen Charakters sehr deutlich und gut lesbar, auch von Nicht-Architekten. Die vorgeschlagenen Zonierungen für die verschiedenen Aktivitäten sollen Ideen und kreative Lösungsansätze anregen.

Hier wird die Kernaussage der Broschüre deutlich: Mehr Platz bedeutet nicht unbedingt mehr Qualität. Es ist im Gegenteil nötig, bezüglich der Nutzung kreative Ideen zu entwickeln, damit alle Räume multifunktional und flexibel gestaltet und möbliert werden können. In den Schlussfolgerungen werden daher auch verschiedene Ideen in Form von einfachen Richtlinien für verschiedene Räume und räumliche Situationen vorgeschlagen.

Das Thema Multifunktionalität ist sicher in vielen Kindergärten nichts Neues – der Mehrwert der Broschüre besteht darin, dass sie eine strukturierte und Zusammenfassung von Ideen und Lösungen bietet und in Bilder übersetzt, die sich in der Kindergartenpraxis bereits bewährt haben. Das kann für neue Planungsvorhaben wertvolle Anregungen liefern.

 

SpielRäume. Möglichkeiten der Raumnutzung im Quartierkindergarten aus der Perspektive von Architektur, Pädagogik und Psychologie. Braun D., Hobbs S., Höchner M., Johann N., Schumacher Ch., Straumann M., Weichbrodt J., Windisch: Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), 2015.

 

 

 

Vittoria Capresi, Architektin, ist freie Mitarbeiterin der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft im Projektbereich Pädagogische Architektur. In dieser Funktion war sie u. a. mitverantwortlich für Konzept und Redaktion der Dokumentation Fünfmal Phase Null und ist aktuell an der Gestaltung und Umsetzung der Fortbildung Schulbauberater beteiligt.

 

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